Stellungnahme der NeuenDB zum skandalösen Artikel von SPIEGEL-Online (27.11.04)
LESERBRIEF an Spiegel-ONLINE
Herrn Schulz Fürth, 27.11.04
Redaktion UniSpiegel
Sehr geehrter Herr Schulz,
mit großem Interesse haben wir Ihre Reportage über Studentenverbindungen auf SPIEGEL
ONLINE gelesen, die völlig zu Recht als solche gekennzeichnet ist. Denn Ihr Artikel lebt von subjektiven
Eindrücken und den Erfahrungen, die Sie bei Ihrem Besuch bei der Turnerschaft Slesvigia-
Niedersachsen Hamburg-Königsberg gemacht haben. Wir begrüßen die Vielfalt der – in der
Öffentlichkeit oft kontrovers diskutierten – Themen, die DER SPIEGEL regelmäßig aufgreift.
Allerdings bedauern wir außerordentlich, dass Sie den Focus ihrer Reportage ausschließlich auf das
Fechten und der feierlichen Zusammenkunft der Turnerschaft-Mitglieder im Rahmen der „Kneipe“
lenken. Wir möchten darauf hinweisen, dass Fecht- und Kneipkomment in den einzelnen Verbindungen
völlig unterschiedlich geha ndhabt werden: Während es Studentenverbindungen wie die
besuchte Turnerschaft gibt, die als Kriterium einer Mitgliedschaft ein gewisses Engagement auf
dem Gebiet der Fecht-Mensur voraussetzen, verzichten andere völlig auf diese Tradition aus dem
vergangenen Jahrhundert. Die Neue Deutsche Burschenschaft (NeueDB) stellt es ihren Mitgliedern
frei, eine scharfe Partie zu fechten.
Ähnlich verhält es sich bei den unterschiedlichen Kneipkulturen. Der Fundus deutscher Studentenlieder
ist groß und spiegelt das Lebensgefühl vieler früherer Generationen von Jungakademikern
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wider. Häufig drehen sich die Texte der Lieder um Begebenheiten aus dem universitären Umfeld.
Die Auswahl der auf einer Kneipe zu singenden Lieder trifft der einzelne Bund selbst.
Die NeueDB begrüßt die Tatsache, dass ihre Mitglieder auch heute noch jene Lieder singen, die
schon viele Studierende durch ihre Studienzeit und weit darüber hinaus begleitet haben und sie
stets an fröhliche Stunden im Kreis ihrer Kommilitonen erinnern. Von rechtsradikalem Lied- und
Gedankengut distanziert sich die NeueDB ausdrücklich.
„Nur derjenige kann und soll ohne Hochmut stolz auf die Leistungen und Errungenschaften seines
Volkes sein, der sich zu dessen Geschichte bekennt, ohne dabei ihre dunklen Seiten zu verleugnen
oder zu verharmlosen“, heißt es in den Grundwerten der NeuenDB.
Eine Vielzahl von organisierten Vorträgen, Ringvorlesungen und Symposien zu aktuellen gesellschaftlichen
und politischen Problemen sowie studienbegleitenden Seminaren zu studentenfreundlichen
Preisen zeugt von der Hauptaufgabe der Verbindungen, wie sie die NeueDB versteht: der
Ausbildung des Akademikernachwuchses zu verantwortungs- und pflichtbewus sten Absolventen,
die in der alltäglichen Auseinandersetzung des Aktivenlebens mit Studenten anderer Fachrichtungen
gelernt haben, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
Am 13. November veranstaltete die NeueDB ein großes Symposium zum Thema „Sind Geisteswissenschaften
in unserer Gesellschaft überflüssig?“ mit hochkarätigen Referenten aus Lehre und der
Praxis. Bestimmt haben Sie die Einladung an den SPIEGEL während der Recherche zu Ihrer Reportage
übersehen.
In vielen Universitätsstädten engagieren sich Studentenverbindungen und Burschenschaften aktiv
in der Hochschulpolitik, um auch späteren Generationen eine studentenfreundliche Lehre zu gewährleisten.
Die NeueDB unterstützt diese Bemühungen und fördert im Rahmen ihrer Möglichkeiten
den Austausch von Erfahrungen im Bereich der Hochschulpolitik.
Darüber hinaus sind viele Verbindungen und Burschenschaften Teil des kulturellen Lebens, indem
sie durch Konzerte, Partys, Vorträge und der Mitwirkung in örtlichen Vereinen gesellschaftliche
Verantwortung übernehmen.
Wir bedauern sehr, dass diese Aspekte in Ihrer Reportage keine Beachtung finden und erlauben
uns, Sie auch zu unserem nächsten Symposium wieder einzuladen – dann allerdings persönlich.
Mit freundlichen Grüßen
W. Hacker
Pressesprecher der NeuenDB
Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen
