Presseberichte

Wulf Gassel sammelt Ubbelohde (OP vom 15.6.05)


von Uwe Badouin


Der Ubbelohde-Sammler Wulf-Diether Gassel
Foto: Badouin



Otto Ubbelohde und die Post: der Künstler als Kartenzeichner
Ausstellung im Ubbelohde-Haus zeigt 221 Motive





Goßfelden. Otto Ubbelohde (1867 - 1922) ist der wohl be­kannteste und einer der bedeu­tendsten heimischen Künstler. Im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden, in seinem ehemali­gen, heute zu einem Museum umgebauten Atelier und Wohn­haus, ist bis zum 10. Juli eine Ausstellung zu sehen, die einen bislang weitgehend unbeachte­ten Aspekt seines künstleri­schen Werkes beleuchtet: Ub­belohde, der durch seine Mär­cheniliustrationen weltbekannt wurde, hat nahezu 500 Motive für Postkarten gezeichnet.

221 Karten sowie Entwürfe und Beispiele für eine Weiter­verwertung der Bilder in Büchern, Kalendern oder Stadtführern aus seiner Privat­sammlung hat der in Passau le­bende Mediziner Professor Wulf-Diether Gassel für die Ausstellung zur Verfügung ge­stellt, die am Sonntag eröffnet wurde.

1870 wurden Postkarten in Deutschland zugelassen. Doch dauerte es noch gut 15 Jahre, bis die Post auch bedruckte Karten zuließ, Ubbelohde ent­deckte das neue Medium früh: Seine ersten Postkarten sind aus dem Jahr 1895 überliefert. Bis zu seinem Tod nutzte der Märchenillustrator und Maler das Medium sehr stark: Er be­reiste Deutschland, zeichnete Landschaften, Stadtansichten und Architekturen, aber auch Trachten und Illustrationen beispielsweise zu Eichendorff-Liedern. Um 1900 erschienen die ersten kolorierten Trachtenbüder, die der Marburger Verleger "Elwert" herausgege­ben hat.

Die Postkarten waren unge­heuer erfolgreich, wie Ludwig Rinn, der Vorsitzende der Ubbelohde-Stiftung betonte. "Postkartensammlungen waren die Kunstsammlungen der bildungsbewussten Kleinbürger, die sich große Kunstdrucke nicht leisten konnten", be­schreibt auch der Sammler Gassel das Phänomen. Gassel lernte Ubbelohdes Kunst als Medizinstudent in Marburg kennen und begann, Postkarten zu sammeln: "Wenn ich damals geahnt hätte, wie umfangreich das Postkartenwerk Ubbeloh­des ist, ich glaube, ich hätte gar nicht erst begonnen."
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