Marburger Erklärung vom September 2002
Die Burschenschaft Arminia Marburg erklärt:
Unsere Burschenschaft wurde im Jahre 1860 gegründet, ihr Wahlspruch lautet: Gott Freiheit Vaterland.
Deutschland definiert sich für uns im Gebiet der Bundesrepublik mit ihren Grenzen die nach dem zweiten Weltkrieg und im Rahmen der deutschen Einheit mit unseren Nachbarstaaten eindeutig und endgültig festgelegt wurden.
In diesem Sinne streben wir mit und in unserem Bund die Umsetzung der gesellschaftlichen Einheit auf nationaler Ebene an.
Ebenso unterstützen wir mit und in unserem Bund die Förderung des europäischen Einheitsgedankens, in dem Bewußtsein einer gemeinsamen Geschichte und Kultur mit unseren Nachbarn in Ost, West, Nord und Süd.
Uneingeschränkt stehen wir zur freiheitlichen, demokratischen und sozialen Grundordnung unseres Staates und respektieren jegliche politische Meinung, solange sie mit den im Grundgesetz festgelegten Werten und Rechtsnormen dem Sinn und dem Wortlaut nach vereinbar ist.
Darüber hinaus distanzieren wir uns von jeglichen extremen Verbindungen, Gruppierungen und Parteien, unabhängig davon ob diese im rechten oder linken politischen Spektrum angesiedelt sind und ungeachtet deren eventueller Anerkennung durch die vorherrschende politische Gesellschaft.
Unsere hier dargelegte politische Haltung fußt auf den Idealen der ur-burschenschaftlichen Bewegung und wird ergänzt durch die deutsche Geschichte und unsre daraus resultierende Verantwortung.
Basierend auf diesem politischen und gesellschaftlichen Verständnis und zur Wahrung der darin manifestierten Grundwerte, ist die Burschenschaft Arminia Gründungsmitglied der Neuen Deutschen Burschenschaft (Neue DB), des Dachverbands liberaler deutscher Burschenschaften.
Wir verstehen uns als eine liberale Verbindung, die das politische Denken ihrer Mitglieder fordert und fördert, aber nicht vorgibt, die sich mit ihrer Geschichte bewußt auseinandersetzt und ihre Traditionen pflegt und verteidigt im Sinne ihres Wahlspruchs.
Wir tragen Farben, wohl wissend, daß es unsere
burschenschaftlichen, freiheitsträchtigen Farben waren, sind und bleiben,
die Deutschland im Sinne der Demokratie, Freiheit und Einheit aller Welt zeigt:
S C H W A R Z R O T G O L D
Geschichte der Arminia bis 1933
Bereits kurz nach der Gründung der Urburschenschaft 1815, ist der Funke von Jena zu den anderen deutschen Universitätsstädten übergesprungen. So wurden auch in Marburg bald die ersten Burschenschaften gegründet, wie z.B. die silberne Burschenschaft, die goldene Burschenschaft und Germania I, II, III. Doch aus unterschiedlichen Gründen hatte keine von ihnen für längere Zeit bestand. Unsere Arminia steht in direkter Nachfolge zur B! Germania III (nicht zu verwechseln mit der heute in Marburg ansässigen B! Germania IV). Die B! Germania III hatte sich 1851 vom Marburger Wingolf abgespalten, um "ein normales studentisches Leben zu führen, ohne Aufgabe der christlichen Grundsätze." Im Klartext bedeutete dies, dass die Gründer wie jeder normale Student im 19. Jahrhundert auch fechten wollten, was allein beim christlichen Wingolf den Mitgliedern untersagt war.
Die Zeit der B! Germania III endete 1859 wegen Mangel an Mitgliedern und interner Uneinigkeit über den Standpunkt zum Duell. Doch da der Hochmut der Corps die gesamte Marburger Bürger- und Studentenschaft verärgerte, kam es schon nach wenigen Monaten bei der Gymnasiastenverbindung "Gothonia" zu Plänen über die Gründung einer B! durch demnächst Studierende. Die Initiative hierzu ging vor allem vom früheren Germanen Karl Schmidt aus. Ein anderer Germane kehrte im WS 59/60 nach MR zurück und schloss sich Schmidt an: Heinrich Hendorf. Im Sommer 1860 schlossen sich der frühere Vandale Karl Schmidmann, der im dritten Semester studierende Ferdinant Bösser und der im zweiten Semester studierende Ernst Gerland an. Seine beiden Brüder waren Germanen. Zuletzt kamen die Erstsemester Ludwig Bickel, Gottlieb Rhode und Albert Vilmar dazu. Es kam zu mehreren Treffen bis zur Gründung einer B! und Beschließung deren Grundsätze. Weitere Anwesende wurden von den drohenden Unannehmlichkeiten abgeschreckt und so wurde der Arminia ein baldiges Ende prophezeit.
Am 16.6.1860 erfolgte die offizielle Gründung als "Burschenschaft zu Marburg". Keine Verbindung, worin man sich vereinigt zu studentischen Freuden, sondern um den burschenschaftlichen Geist nach Marburg zu tragen und sich mit aller Kraft dem Vaterlande zu widmen - so hieß es damals noch. Dabei verfolgte die Arminia damals wie heute das Gleichheitsprinzip, welches Hierarchie und Klassendenken ablehnt. In bewusster Abgrenzung zu den arroganten und elitären Corps, sollte es jedem Studenten möglich sein der Verbindung beizutreten - unabhängig vom Vermögen oder Titel der Eltern.
In der allerersten Satzung wurde der Name "Burschenschaft" vermieden und durch "Verbindung" ersetzt. Über den Namen "Arminia" war man sich von Anfang an einig. 1860/61 kam zwar mehrmals die Überlegung sich Germania zu nennen, aber die Anträge wurden zurückgezogen, da man die Nachfolgerin und nicht die Fortführerin der Germania sein wollte. Vielmehr wollte man die alte goldene Burschenschaft fortführen. Die ersten Präsiden waren Schmidmann und Hendorf.
Als älteste B! am Ort war es das Privileg der Arminia, die Farben der Urburschenschaft "Schwarz-Rot-Gold" tragen zu dürfen. Doch diese Farben der Demokratie und Gleichberechtigung, galten im damaligen von Fürsten regierten Deutschland als "zu links" und waren bei Strafe verboten. Um Repressalien zu entgehen legten sich 16 aktiven Mitglieder und 6 Conkneipanten am 18.12.1860 Schwarz-Rot-Weiße Bänder um, da Weiß als Nichtfarbe dem verbotenen Gold näher kam als eine andere Farbe. Erst im Februar 1863 hatte sich die politische Lage gebessert und es konnten die auch heute noch gültigen Farben Schwarz-Rot-Gold und Rote Mützen angelegt werden. Übrigens waren unsere Farben auch im Dritten Reich verhasst, weil sie an die gescheiterte Weimarer Republik erinnerten. Auch damals hatten die Arminen Pöbeleien und sogar gewalttätige Auseinandersetzungen zu erwarten, wenn sie sich mit ihren "linken" Farben in der Öffentlichkeit zeigten. Paradoxerweise gibt es heutzutage tatsächlich Leute, die in Schule nicht ganz aufgepasst haben und uns als "rechts" bezeichnen, weil wir die "Deutschlandfarben" tragen.
Obwohl Burschenschaften arministischer Prägung das Gleichheitsprinzip pflegen, wurden am 1.3.1872 zweifarbige Fuxenbänder eingeführt, um sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen.
Am 15.7.1872 hat die Arminia nach 12 Jahren in wechselnden Kneipen, endlich ein eigenes Heim gefunden, als der "Felsenkeller" am Wehrdaer Weg wurde von den Wirtsleuten Broeger erworben wurde. 1873 wurde vor dem Haus eine freistehende Kegelbahn gebaut, die (wahrscheinlich) die älteste Kegelbahn Deutschlands ist.
Zu den Corpsstudenten bestand seit jeher ein gespanntes Verhältnis. Seit 1866 war das Paukverhältnis mit den Corps abgebrochen worden. Man glaubte, nicht ohne Mensur bestehen zu können, aber es ließ sich kein Paukverhältnis schließen. So kam es, dass Arminen einige Male mit Nichtkorporierten fochten, die sich für zwei Thaler Waffen der A! mieten konnten und von Arminen sekundiert wurden. Seit dem 3.11.1868 wurde wieder mit den Corps gepaukt. Es gab oft Streitigkeiten, weil der S.C. den Comment vorgab. Der Vorschlag der A!, dass der Unparteiische abwechselnd gestellt werden sollte, wurde abgelehnt. Das schlechte Verhältnis eskalierte am 8.11.1872, als zwei Hasso-Nassoven eine Schlägerei mit einem Verkehrsgast der A! aus Heidelberg verursachten. Diese artete zu einer Massenschlägerei zwischen Arminen und Corpsstudenten aus.
So wurde die Idee von 1862 erneut aufgegriffen: Die Gründung einer 2. Burschenschaft in Marburg. Man erhoffte sich dadurch ein geregeltes Paukverhältnis und an dieser einen Rückhalt zu gewinnen. Sorgen hatte man, dass die Mitgliederzahl der A! darunter leidet und dass die neue B! den (heute glücklicherweise abgeschafften) Keuschheitsgedanken nicht übernehmen würde und damit eine andere Richtung einschlagen würde. Die Vorteile überwogen nach damaliger Einschätzung aber.
Am 4.2.1874 wurde die Gründung beschlossen, nachdem zwei ehemalige Arminen Hilfe zugesagt hatten. Dies waren die wegen § 2 ausgetretenen Bundesbrüder Fenner und Wünneberg, die ohne Band nach Berlin entlassen wurden und nun nach MR zurückkehren wollten. Die Bbr Stern, Welker, Henrichs und Mühlenschulte traten (mit Band) zur Alemannia über, die sich am 1.3.1874 mit den Farben Violett-Silber-Rot gründete. Die A! gab der Alemannia ein Darlehen über 90 Thaler, das Henrichs zur Anschaffung von Waffen und Schmuck aufwand. Am 4.4.1874 schlossen sich die beiden B! zum örtlichen Depurtierten Convent (D.C.) zusammen und begründeten ein Paukverhältnis. In den folgenden Jahrzehnten gab es beinahe jedes Semester eine P.P. zwischen den beiden B! - meist wegen Mensurstreitigkeiten. Nach außen trat man aber stets einig und geschlossen auf und bis heute stehen sich Arminia und Alemannia nahe, sind im selben liberalen Dachverband und unternehmen jedes Semester gemeinsame Veranstaltungen.
Das Verhältnis zwischen der A! und dem Wingolf war seit seiner Gründung ein Wechselhaftes. Zwischen 1880 und 85 gab es quasi gar kein Verhältnis. Im Allgemeinen sah man auf die konfessionellen - nichtschlagenden - Verbindungen herab. Am 1.11.1887, dem Buß- und Bettag machte die A! einen Ausflug nach Gießen, um die dortige Alemannia zu besuchen. Aus der gereizten Stimmung entwickelte sich eine Schlägerei. Diese wurde bei der Universität angezeigt, aber die Untersuchungen ergaben nicht, auf welcher Seite die Schuld lag. Der einzige Beteiligte, der bestraft wurde, war ein Wingolfit, der sich des Messers bediente.
Trotzdem wurden am 25.1.1888 beide Verbindungen vom Senat verboten. "Verbindungen, die ein solches Verhalten nicht unterbinden können, seien nicht würdig zu existieren". Am selben Abend löste sich die Arminia mit dem Singen des Liedes "Wir hatten gebauet" feierlich auf. Schon 20 Stunden später gründete sich die B! Franconia Marburg. Da die Arminen keine andere Verbindung gründen durften, taten dies 9 Kneip- und Verkehrsgäste der Arminia. Es war geplant, dass die Arminen nach und nach der Franconia beitreten sollten. Doch der Rektor der Universität hatte den Plan durchschaut und drohte damit, die Franconia aufzulösen sobald ein Armine dort aktiv werde.
Die Franconia führte die Farben Schwarz-Rot-Weiß. Sie führte bei Aufzügen die alte Fahne der A!. Bei dem Paukzeug wurde das Gold mit Weiß überklebt. Die Franconia hielt Kneipen, Convente und Paukstunden auf dem Arminenhaus ab. Die A! bestand derweil im Geheimen weiter. Sie führte die Convente und Kasse weiter. Es wurden sogar Mensuren auf den Frankenwaffen gefochten. Die Franconia selbst stellte keine Bestimmungsmensur. Die in Marburg wohnenden AH bewirkten, dass das Verbot gegen die A! am 28.4.1888 aufgehoben wurde. Diese nahm ihren Betrieb am selben Tag mit 8 Aktiven und 8 Füxen erneut auf. Darunter zum erstenmal ein Altherrensohn. Die Franconia überlegte sich, als dritte B! in Marburg zu existieren, aber die Mehrheit war dagegen. Deshalb löste sie sich am 1.5.1888 wieder auf. Die Suspension hatte dem Ansehen der A! nicht geschadet. Im Gegenteil: Die schnelle Gründung einer "Ersatzburschenschaft" hatte der A! Ansehen verschafft. Der Rektor selbst verkündete auf der Semesterabschlusskneipe, dass sie seine höchste Anerkennung hat und er sich in ihrem Kreise wohlfühle. Erst viele Jahre später erinnerte man sich an die Hilfsaktion der Franconia und machte die noch lebenden ehemaligen Franken zu Ehrenmitgliedern der A!, was übrigens von den beiden Bubenreuthern abgelehnt wurde.
Am 1.12.1890 kam es zur Gründung des Roten Verbandes, welcher am 5.2.1897 wegen interner Zwistigkeiten vorübergehend wieder verlassen wurde.
Ein großes Problem bestand zu dieser Zeit in der Tatsache, dass das Haus den Ansprüchen der wachsenden Verbindung nicht mehr genügte. So wurde 1892 ein Saalbau an das Arminenhaus angebaut und im Wintersemester 1905 sogar eine zweite Kneipe in Cölbe erworben. Doch all dies vermochte nicht, das Problem zu lösen und so kam es am 22.05.1909 zur letzten Kneipe auf dem alten Arminenhaus. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte zum 50. Stiftungsfest 1910 das jetzige Haus feierlich eingeweiht werden. Durch das imposante Haus hatte der Zulauf der Arminia noch weiter zugenommen. Als im Sommersemester 1911 mehr als 70 Studenten der Arminia beitreten wollten, musste ein sogenannter "Siebconvent" eingeführt werden (Beratung über Füxe).
Im WS14/15 hatte die Arminia den Vorsitz im damaligen Dachverband "Deutsche Burschenschaft". Von ihr ging die Initiative aus, den "Akademischen Hilfsbund zur Unterstützung Verwundeter Kriegsteilnehmer" zu gründen. Dieser Hilfsbund schuf eine Studienanstalt für Blinde (ehemals Kriegsblinde) in Marburg. Heute sind Studenten der Blindenstudienanstalt in Marburg allgegenwärtig. Doch dass die Gründung dieser auf die Burschenschaft Arminia zurückgeht, weiß heute kaum noch jemand.
Im SS1915 waren in Marburg nur noch acht Aktive und ein Inaktiver, im Felde standen 23 Aktive 91 Inaktive und über 200 AH. Die Aktiven wechselten fast wöchentlich, weil ständig Arminen einberufen wurden oder vom Felde zeitweise zurückkamen. 47 Aktive und 30 AH fielen dem Krieg zum Opfer. Das Arminenhaus wurde in ein Lazarett umgewandelt und von den Aktiven betreut. Die Altherrenschaft betreute derweil mit den Altherrenschaften von Germania und Alemannia ein Lazarett auf dem Germanenhaus. Die drei MB! feierten am 12.6.1915 den 100. Jahrestag der Gründung der B!. Auch der Rektor und Professoren beteiligten sich. Insgesamt gab es rund 50 Teilnehmer.
Bei Kriegsende durchzog die 7. Armee Marburg und wurde dort demobilisiert. Das Arminenhaus war zeitweise von einer ganzen Kompanie belegt. Viele der Kriegsrückkehrer blieben in Marburg und begonnen dort ein Studium. Die Studentenzahl stieg auf 3.906. Das sorgte für einen Aufschwung bei studentischen Verbindungen. Man hatte angenommen, dass die farbentragenden, schlagenden Verbindungen nach dem Krieg Schwierigkeiten hatten, Nachwuchs zu finden, aber das Gegenteil war der Fall. Die jungen Studenten - auch die, die im Felde standen - strömten zu den Waffenverbindungen. Das führte dazu, dass bisherige Vereine und einige nichtschlagende Verbindungen nun schlagende Verbindungen wurden. So wurde der philologische Verein zu der B! der Rheinfranken, der Naturwissenschaftlich-medizinische Verein zur L! Nibelungia, der theologische Verein wurde zur Turnerschaft Tuskonia, der Mathematisch-physikalische Verein zur Markomannia und die bisherige Sängerschaft Chatia zunächst zu einem "völkischen" Corps und dann zur Landsmannschaft. Damit die Veteranen schnell ins Studium einsteigen und die anderen ihr Studium schnell abschließen konnten, wurde ein Zwischensemester in den Ferien eingeführt. Es herrschte wie überall ein sozialistisch bzw. kommunistisch eingestellter Arbeiter- und Soldatenrat, der sich mit den Arbeitern "verbündete" und mit den Studenten auf Kriegsfuß stand. Man legte sogar die Farben in der Öffentlichkeit ab, um Ärger zu entgehen.
Im Herbst 1923 entsprach 1 Goldmark = 1 Billion Papiermark, was zur Schaffung der Reichsmark führte. Das gute an der Inflation war, dass man einen Großteil der Schulden losgeworden war. Außerdem konnte das bisher nicht ausgebaute Dach des Arminenhauses umgebaut werden (20 000 Mark). Es erhielt 4 Zimmer. Sie dienten als Altherren-Zimmer für außerhalb wohnende Alte Herren, konnten aber auch an Aktive vergeben werden.Viele studierende Arminen mussten hingegen neben dem Studium in Fabriken arbeiten.
Dr. Anton Prasse, Vater des im Krieg gestorbenen Bbr. Wilhelm Prasse, spendete der A! außerordentlich hohe Beträge. Damit wurde die Verpflegung gesichert. Außerdem wurde die Bibliothek, die Wilhelm-Prasse-Stiftung, erweitert. 1925 wurde Anton Prasse Ehrenmitglied.
Als neue Nationalfahne setzte die Weimarer Nationalversammlung die Farben der Burschenschaft Schwarz-Rot-Gold als Symbol des Schutzes der Republik und sah sich als Fortführerin der altburschenschaftlichen Tradition unter Übernahme auch deren Wahlspruchs.
Arminengeschichte nach 1945
Nach 1945 erwachte das bundesbrüderliche Leben in Marburg wieder. Viele Arminen waren durch die Schrecken des Krieges schwer gezeichnet und waren nun bestrebt, ein Leben fernab von Kampf und Gewalt zu führen. Da sich diese Bestrebungen schlecht mit dem Waffenstudententum vertrugen, wurde die Amicitia gegründet, die eine von Freundschaft und Geselligkeit geprägte Verbindung darstellen sollte. Die Amicitia bestand auf unserem Hause zwischen 1947 und 1950. Allerdings war ein erheblicher Teil der Arminen nicht bereit, die Ideale und Werte ihrer Arminia vollständig aufzugeben und so kam es, dass sich die Amicitia am 4.05.1950 spaltete. Ein Teil wollte weiterhin der Arminia die Treue halten, ein anderer Teil konnte sich mit dem Bund nicht mehr identifizieren und wurde den Amiciten zugehörig.
1951 wurde der Burschenschaft Arminia ohne größere Komplikationen das Haus zurückgegeben, so dass sich das corporationsstudentische Leben auf dem Felsenkeller wieder manifestieren konnte.
Im Jahre 1960 wurde an das bestehende Haus ein Anbau angegliedert, den wir den Neubau nennen. Der Neubau besteht aus zwölf Zimmern, die an Marburger Studenten vermietet werden sowie einem sehr geräumigen Gästezimmer.
1970 wurden wir aus unserem ehemaligen Dachverband, der sogenannten Deutschen Burschenschaft, ausgeschlossen, da wir damals aus liberalen Motiven das pflichtschlagende Prinzip aufgaben. Nur ein Jahr später wurden wir allerdings wieder aufgenommen, da der Dachverband seine Satzung entsprechend geändert hatte. Diese Satzungsänderung beinhaltete, dass nun auch fakultativ schlagende Bünde - wie wir es sind - in die DB aufgenommen werden konnten. Auf der anderen Seite wurden nun die österreichischen Burschenschaften aufgenommen.
1990 wurden wir wiederum aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen, da wir nun Zivildienstleistenden den Eintritt in unsere Verbindung gestatteten. Wir konnten uns jedoch erfolgreich wieder in den Dachverband einklagen, traten anschließend jedoch wieder aus, da wir uns nicht mehr mit der rückwärtsgewandten und unliberalen Interpretation der Werte unseres ehemaligen Dachverbandes identifizieren konnten.
Schließlich wurde am 13.01.1996 von acht Gründungsmitgliedern, zu denen auch wir uns zählen, die Neue Deutsche Burschenschaft als ein Dachverband liberaler Burschenschaften Deutschlands gegründet.
